Über Backgammon

Backgammon ist eines der Ältesten Spiele der Welt. Im Lauf der Zeit haben sich in unterschiedlichen Regionen zahlreiche Spielvarianten und Regeln herausgebildet. Um 1920 wurde der Verdopplungswürfel erfunden, der das Spiel dynamischer, anspruchsvoller und unterhaltsamer macht. Modernes Backgammon wird heute weltweit, unter Insidern, auf Turnieren und im Internet mit Verdopplungswürfel und standardisierten Regeln gespielt.
Der Sinn eines einheitlichen und verbindlichen Regelwerks ist klar: So können Spieler aus allen Traditionen und Regionen jederzeit ohne langwierige Regeldiskussionen und Missverständnisse miteinander spielen. Auch für das Spiel auf Backgammon-Plattformen im Internet ist die Kenntnis der Spielregeln obligatorisch.
Spielregeln finden sich an vielen Stellen im Internet, leider oft fehlerhaft oder unvollständig. Weitgehend korrekte Spielregeln auf deutsch gibt es unter Spielregeln.

Glück oder Können

Im Backgammon ist beides gefragt. Anders als z.B. beim Schach kann beim Backgammon auch ein Anfänger die eine oder andere Partie gegen einen erfahrenen Spieler gewinnen. Über viele Partien hinweg werden Glück und Zufall jedoch gleich verteilt sein und das Können wird den Unterschied ausmachen. Laien überschätzen meist den Glücksfaktor, vor allem wenn sie den Verdopplungswürfel nicht kennen. Merke: Glück und Können sind keine Gegensätze sondern ergänzen sich – wie im wirklichen Leben.

Spielbrett

Was in Spielwarenläden und -abteilungen angeboten wird, ist leider meist unbrauchbar für regelmäßiges Spiel. Brauchbare Bretter (groß genug, völlig eben, sauber verarbeitet, geruchsarm) gibt es fast nur im Internet zu kaufen. Die Preise beginnen bei ca. 50 Euro für ein schlichtes für Anfänger brauchbares Brett (inklusive Würfelbecher). Club- und turniergeeignete Bretter (Breite ab ca. 60 cm) kosten ca. 80 bis 200 Euro, repräsentative Exemplare für Vielspieler bekommt man ab ca. 400 Euro. Wer in Gaststätten oder auf Turnieren spielt, sollte wegen der Lärmentwicklung möglichst kein Holzbrett benutzen.
Auf sog. "Präzisionswürfel" kann man anfangs verzichten, auf Turnieren sind sie allerdings obligatorisch.

Der Verdopplungswürfel

Ein Verdopplungswürfel (auch Doppler, cube, doubling cube) sieht so aus:

Modernes Backgammon wird immer mit Doppler gespielt, welcher mit den Zahlen 2, 4, 8, 16, 32 und 64 beschriftet ist. Gewinnt während des Spieles einer der Spieler den Eindruck, dass er das Spiel gewinnen wird, so kann er dem Gegner den Dopplerwürfel anbieten. Lehnt der Gegner das Angebot ab, so wird ihm das Spiel als verloren angerechnet. Akzeptiert der Gegner aber das Angebot, so erhält er den Dopplerwürfel mit der nach oben liegenden Zahl 2 als Hinweis darauf, dass das Ergebnis des Spiels verdoppelt wird. Wenn dieser Spieler nun im weiteren Verlauf des Spieles zu der Meinung gelangt, dass er das Spiel gewinnen wird, kann er seinerseits dem Gegner den Dopplerwürfel anbieten. Der Würfel wird dann jeweils so gedreht, dass die aktuelle Zweier-Potenz sichtbar ist.

Der Einsatz des Dopplerwürfel ist eine schwierige Komponente im Backgammon und senkt den Zufallsfaktor im Backgammon um einiges. So können erfahrene Spieler anhand der Spielstellung besser erkennen, ob sie das Risiko einer Verdopplung eingehen können oder ob sie bei einer Verdopplung durch den Gegner besser aufgeben.

Präzisionswürfel

Präzisionswürfel stellen besondere Anforderungen an Idealität der Würfel und schützen dadurch u.a. auch vor Betrug durch präparierte Würfel. Für die Herstellung wird ein Kunststoff verwendet, welcher sich komplett blasenfrei und somit besonders exakt verarbeiten lässt. Die Würfel werden nicht gegossen, sondern mit Lasern aus großen Blöcken herausgeschnitten. Die Toleranzen für die Form der Präzisionswürfel liegen im Bereich von bis zu 1/100mm. Um die Ausgeglichenheit der Würfelergebnisse nicht zu gefährden, wird bei Präzisionswürfeln außerdem zur Füllung der Augen nur Farbe mit der Dichte des Würfelmaterials verwendet. Die meisten Würfel sind durchsichtig um evtl. Unreinheiten oder Zinkmethoden auch optisch erkennen zu können. Zu den verwendeten Sicherheitsmerkmalen gehören außerdem eine aufgedruckte Seriennummer.

Moneygame, Chouette, Turnier

Wenn zwei Spieler gegeneinander spielen und dabei ihre erzielten Punkte zählen, spricht man von einem Moneygame (egal ob mit oder ohne Geld).
Wenn mehr als zwei Leute (meist 3-6) Moneygame an einem einzigen Brett miteinander spielen, spielt einer allein gegen das Team der übrigen Spieler. Nach jedem Spiel wechseln die Spieler ihre Rollen. Diesen Modus nennt man Chouette.
Wenn mehrere Leute in einer Art K.O.-System (wie z.B. beim Tennis) einen Sieger, einen Zweitplazierten usw. ermitteln, handelt es sich um ein Turnier. Hier kommen zu den üblichen Spielregeln noch einige wenige Turnierregeln dazu. Es gibt eine weltweite Turnierszene sowohl im Internet als auch mit persönlicher Präsenz.

Spiel um Geld

Ähnlich wie Doppelkopf, Skat, Kegeln usw. wird Backgammon auch um einen Geldeinsatz gespielt. Wie hoch der Einsatz ist, hängt vom Temperament, vom Können und natürlich vom Geldbeutel ab. "Profis", die das Spiel als Geldquelle betrachten und Zocker, denen es um den Nervenkitzel geht, neigen zu höheren Beträgen. Leute, denen es mehr um Freizeit und Geselligkeit geht, wählen dagegen eher kleine Beträge (z.B. 50 Cent oder 1 Euro pro Punkt).

Literatur

Literatur zu Backgammon existiert fast nur in englischer Sprache und ist nur über das Internet zu beziehen. Stellvertretend hier zwei Standardwerke:

  • Paul Magriel: Backgammon (auch auf deutsch erhältlich)
  • Walter Trice: Backgammon Boot Camp

In deutscher Sprache, preiswert, aber nur für Anfänger geeignet:

  • Hugo Kastner: Backgammon

Online spielen

Es gibt zahlreiche Backgammon-Server im Internet. Bei den meisten muss man eine Client-Software installieren. Ideal für Einsteiger ist DailyGammon, hier muss man nichts installieren, es ist unkompliziert, kostenlos und man kann sich die Spielzüge (und Chats) in aller Ruhe überlegen.

Kleines Backgammon-Glossar

Englisch ist die Sprache des modernen Backgammon. Hier einige gängige Begriffe, gemischt deutsch und englisch:

Anker gemachter Punkt im Heimfeld des Gegners
Backgame

spezielle Spielstrategie bzw. -typ:

Das Backgame wird meist von einem, im Spiel hinten liegenden Spieler eingesetzt. Er versucht zwei oder mehrere Anker im Heimfeld des Gegners zu etbalieren und beim Abtragen der Steine des Gegners auf einen Schuss zu hoffen und den dann geschlagenen Stein hinter einer Prime auszusperren.

Backgammon dreifache Spielwertung. Hat bei Spielende der Gegner noch einen oder mehrere Steine auf der Bar oder im Heimfeld des Gewinners, erhält der Spielgewinner die dreifache Punktzahl.
Bar Platz für die Ablage geschlagener Steine, in der Mitte des Spielbretts
Bear off / Abtragen Steine abtragen / ausspielen
Beaver

Optionale, aber im Turnierspiel nicht übliche Regel, die besagt: Ein Spieler, dem ein Doppel angeboten wird, kann mit der Ansage "Beaver" dieses Doppel annehmen und gleichzeitig den Doppler eine Stufe weiterdrehen, dabei aber im Besitz des Dopplers bleiben. Er hat also drei Optionen: Aufgeben (das Spiel zählt einfach), annehmen (Spielwert wird verdoppelt) oder "beavern" (Spielwert wird vervierfacht).

Blitz

spezielle Spielstrategie bzw. -typ:

Hier werden sofort feindliche Blots im eigenen Heimfeld geschlagen mit dem Versuch anschließend diesen Punkt zu machen.

Blot einzeln stehender Stein
Board / Brett Spielbrett
Box Alleinspieler in der Chouette
Builder Stein, der zum Machen von Punkten benutzt werden kann
Captain ausführender Spieler des Teams in der Chouette
Chouette Spiel mit mehr als 2 Personen an einem Brett (Alleinspieler gegen Team)
Crawford eine Regel im Turnierspiel, die besagt: Steht ein Spieler einen Punkt vor dem Gewinn des Matches (z.b. ein Spieler hat soeben 10 Punkte in einem 11-Punkte-Match erreicht), so darf im darauffolgenden Spiel nicht gedoppelt werden. In den nachfolgenden Spielen kann der Doppler aber wieder verwendet werden.
Cube / Doppler Verdopplungswürfel
Gammon doppelte Spielwertung. Hat bei Spielende der Gegner noch keinen Stein abgetragen, erhält der Spielgewinner die doppelte Punktzahl.
Holdinggame

spezielle Spielstrategie bzw. -typ:

Hier wird versucht durch einen Punkt im inneren Board des Gegners diesen im Rennen aufzuhalten.

Homeboard / Heimfeld Die 6 Punkte / Felder, von denen aus die Spielsteine abgetragen werden können
Jacoby Optionale Regel, die besagt: Der Gewinn eines Gammons oder Backgammons zählt nur, wenn im betreffenden Spiel bereits gedoppelt wurde. Gilt nur im Moneygame.
Matchplay / Match

Ein Spiel auf eine bestimmte Anzahl zu erzielender Punkte. Bei Turnieren ist dies die vorherrschende Spielform.

Moneygame Spiel um Punkte
Pass / Passen Ablehnen / Passen einer Verdopplung
Pipcount Zählen aller Pips, die bis zum Abtragen des letzen Steins zu ziehen sind
Pips zu ziehende Felder
Point / Punkt a) 1 Feld (Spitze) auf dem Spielbrett
b) mit 2 oder mehr Steinen besetztes Feld ("gemachter Punkt")
c) Gewinnpunkte
Prime durchgehende Abfolge von gemachten Punkten
Schuss Möglichkeit, einen einzeln stehenden Stein des Gegners zu schlagen
Slot Einzeln stehender Stein, der dazu dienen soll diesen Punkt zu machen.
Take / Annehmen eine angenommene Verdopplung