Stellung des Monats - Auflösung Juni 2020

Hier also, wie versprochen, nach einer Woche die "Auflösung" des Juni Problems.  Erst mal vielen Dank an alle Kommentatoren!! So macht die Sache Spaß :)  Bitte gerne weiter so!

Und ja, wie schon von Jürgen Feiler befürchtet, gewinnt nach extensivem Rollout tatsächlich der "Augenkrebs"/ Anfänger-Zug 13/6, den wohl kaum ein Turnierspieler, der auch nur ein bisschen was auf sich hält, ernsthaft erwägen würde...

 

Kann man XG hier glauben?  Ich denke ja!  XG hat zwar manchmal durchaus Schwächen, z.B. bei extremen Backgames oder dem Vorrollen einer 6er Prime, wo auch längere Rollouts nicht viel bringen. Aber in solchen recht normalen "Brot und Butter" Stellungen relativ früh im Spiel darf man dem Programm wohl Glauben schenken, zumal der Vorsprung vor den anderen Zügen relativ groß ist.

 

Georg war so ziemlich der Einzige, der explizit den Spielstand in seine Überlegungen miteinbezogen hat. Und dieser ist hier in der Tat entscheidend!  Ein ebenso extensives Rollout beim Stand von 0-0 auf 9 Punkte ergibt ein anderes Bild. Hier schlägt XG als bestes Spiel 13/9, 8/5 vor, gefolgt von 13/9, 6/3 und 13/9, 13/10.  Der Supersafer 13/6 landet hier "nur" auf Rang 4!  

 

Bernd hat zu Recht erwähnt, dass bei diesem Spielstand ein (ungedoppeltes) Gammon das Match gewinnt. Das stimmt natürlich, und in der Tat ist der Gammonprice bei diesem Stand sehr hoch! 

 

Das bedeutet aber nicht, dass man tatsächlich von Anfang an auf Gammon spielen sollte, im Gegenteil!  Bei übersichtlichen, und überlegenen Stellungen, also z.B. Closed Board mit Checkern auf der Bar oder Spiel gegen einen tiefen Anker, kann man meist tatsächlich etwas aggresiver auf Gammon spielen als bei den meisten anderen Ständen. Aber zu Beginn des Spiels sollte man eher den "Gammon Save" Modus einschalten. Grund dafür ist, dass der Zurückliegende nur darauf lauert, in verwickelten Stellungen mit beiderseitigen Gammonchancen den Doppler zu kredenzen. Damit doppelt er die eigenen Gammonverluste "aus dem Spiel" und wird mit den Gammongewinnen zum Matchfavoriten.

 

Blots im weißen Heimfeld hin oder her, mit dem Streuen von eigenen Blots macht man die Stellung komplexer. Weiß hat nichts gegen einen Schlagabtausch einzuwenden, was bei anderen Ständen eben nicht unbedingt der Fall ist.

 

Wir lernen also daraus:  Bei hohen Führungen im Zweifel erst mal "Safety First", Komplikationen vermeiden, übersichtliche Stellungen anstreben.

 

Könnte ich am Brett 13/6 spielen, selbst wenn ich wüsste, es ist der beste Zug?  Nein! Meine Hände könnten hier glaube ich dem Gehirn nicht Folge leisten...  Dazu kommt, dass man sich natürlich meist für besser hält  als den Gegner, und einfache Stellungen tendentiell vermeiden möchte.

 

Und dann gibt es ja  auch noch den Spaßfaktor! Trockene Stellungen mit vorgeschobenem Anker sind einfach langweilig. Viel schöner ist es doch, wenn das Brett "in Flammen" steht.....

Meine Vorliebe für spektakuläre Züge hat mich allerdings leider schon so manches Match gekostet, von der Performance ganz zu schweigen ... 

 

Sonderlob an Micheal Weidner, der mit Nennung des besten sowie viertbesten Zuges mit Mochy mindestens gleichzieht!

 

So, genug der langen Rede!

Gerne könnt ihr auch diese  "Auflösung"  und meine Thesen dazu kommentieren oder - noch besser- korrigieren!  Ansonsten bis zum 1. Juli!

 

 

Gruß,

Euer Bernhard

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Kommentare: 3
  • #1

    kadir (Mittwoch, 10 Juni 2020 11:04)

    "Augenkrebs"/ Anfänger-Zug 13/6" :D

    du hast vollkommen recht, das sieht wirklich nicht schick aus, wenn auf dem 13. nur noch zwei und auf dem 6. punkt sechs steine liegen :D

    danke für die tolle erklärung, weiter so!

  • #2

    Volker (Mittwoch, 10 Juni 2020 16:24)

    Eigentlich bin ich ja immer überfordert, wenn ich mir solche „Quizstellungen“ überlegen muss. Ich denke dann immer darüber nach, warum dieses Problem diskutiert wird und versuche dann um zwei Ecken zu denken.
    Das tolle an diesen Diskussionen ist aber, dass man meistens eine ausführliche Erklärung geliefert bekommt. Und ich glaube diese intensive Aufschlüsselung kann kaum jemand besser als Bernhard.
    Den Mut zu haben hier tatsächlich den richtigen Zug zu spielen ist natürlich gefährlich, denn wenn es der falsche Zug wäre, dann ist das Gelächter groß.

  • #3

    ULMER :-) (Samstag, 13 Juni 2020 23:08)

    > ...Meine Hände könnten hier glaube ich dem Gehirn nicht Folge leisten...
    deshalb ist der autor also so erfolgreich! der schaltet das gehirn einfach mal aus! demnach müsste ich ja ganz easy die No.1 in unserer (milch)strasse sein... "birne ausschalten" war schon immer meine spezial-disziplin!

    sehr informative & kurzweilige erläuterung!

    freue mich jetzt schon auf den JULI! :-)

    happy sunday!
    jürgen