Stellung des Monats - Auflösung Mai 2020

13 Punkte Match   

Weiß führt 12-10 (post crawford)

Schwarz am Wurf:  Cube Action? 

 

 25.05.2020 [bka] - Wenn der Zurückliegende nach dem Crawfordspiel eine gerade Punktzahl hat, muss er nicht unbedingt sofort doppeln, da der Takepoint für den Führenden sehr niedrig ist. Speziell bei 1weg 3weg wie hier ist der Takepoint (ohne Gammons) gerade mal ca. 2%, da das Einzige, was der Führende mit einem Take riskiert, der Verlust der Option des "Free Pass" im nächsten Spiel ist. Daher kann man mit dem Doppeln warten, in der Hoffnung, dass der Führende nicht damit vertraut ist und später zu Unrecht passt [...]

 

Früher, in meiner Jugend, habe ich damit recht viele Punkte "ergaunert".  Leider kennen heute die meisten Turnierspieler diese Falle... :(

 

Daher hatte auch Gus Hanson mit dem Doppler gewartet, und ihn erst jetzt eingesetzt. Bob überlegte darauhin recht lange, während sich die Kommentatoren wie folgt überschlugen:

 

"This is such an easy take, that you wouldn't even believe it!  Paul Magriel called this the Indian trick.  We know this is a monster take, does Bob Koca?  .........................

 

.................Oh my god he passed, he passed!!!  It did work, he bluffed him!! I don't believe it, I just don't believe it...."

 

Nun, lagen sie richtig damit?

 

Man muss bei der Anwendung des "Indianertricks" durchaus aufpassen, dass man seinen Markt nicht verliert. Zwar ist der Takepoint extrem niedrig, aber sobald Gammons ins Spiel kommen, die das Match entscheiden könnten, sieht es anders aus. Die Faustregel heißt: Wenn die Gammonverluste des Führenden in etwa gleich groß oder größer sind als die eigenen Gewinnchancen, sollte dieser passen.  

Wenn also Jokerwürfe existieren, die diesen Effekt haben, sollte man vor diesen Würfen doppeln, um nicht den Markt zu verlieren.

 

Und genau dies hat Gus hier versäumt! Denn obwohl Bob mit einem seiner Steine einspielen kann, sind nach XG tatsächlich seine Gammonverlustchancen um 3% höher als seine Gewinnchancen, und somit hat er ein klares Pass!

 

Bob Koca, seines Zeichens Mathematikprofessor, war der Trick sicher geläufig. Und er kalkulierte korrekt, dass er mehr Gammons verliert, als Spiele gewinnt. Das ist in dieser Stellung nicht so einfach zu sehen, auch nicht von Spitzenspielern wie Sander Lylloff und Morten Holm!

 

Bob's Pass war also völlig korrekt!  Im Anschluss gewann er dann auch die DMP Partie und verdient den Titel.

 

Zur Zusatzfrage:  Nach welcher Zugsequenz bringt die Möglichkeit des free pass für den Führenden bei 1weg 2weg den größten Nutzen?  Nun, 3-1 ist mit Abstand der stärkste Eröffnungszug, also geben wir ihn dem Zurückliegenden. Was ist nun die schlechteste Erwiderung?  Nun, das ist gemäß XG überraschenderweise eine 5-4!

Das liegt wohl daran, dass es gegen den gemachten 5er Punkt wichtiger wird, die hinteren Steine zu splitten, und genau das kann man mit der 5-4 nicht. Da hilft auch der kleine Vorsprung im Rennen nichts.

Nach 3-1, 5-4  hat der Führende nur noch 41,7% Gewinnchancen, spart also mit dem free Pass satte 8,3%!

 

 

Gruß,

Euer Bernhard

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