Ergebnisse der AG Rangliste

Die Arbeitsgruppe Rangliste bestehend aus Maik Stiebler, Jürgen Schettler und Volker Sonnabend hat in den letzten Wochen die Regularien der DBGV-Rangliste überprüft und Überlegungen für Veränderungen diskutiert. Die folgenden Punkte wurden angesprochen:

 

 

Generelle Einordnung des Bewertungsverfahrens

Die DBGV-Rangliste beruht auf einem anerkannten Verfahren der mathematischen Statistik und verwendet die ELO-Formel (nach dem ungarisch-amerikanischen Physiker Árpád Élő). Die Wertungszahlen sollten die praktische Spielstärke widerspiegeln. Die Differenz der Wertungszahlen zweier Spieler stellt ein Maß für die Gewinnwahrscheinlichkeit in Matches zwischen diesen Spielern dar. Ein analoges Verfahren wurde erstmals vor ca. 50 Jahren im Schach eingeführt und wird inzwischen in zahlreichen Sportarten angewendet, z.B. auch für die FIFA-Weltrangliste im Fußball. Davon abzugrenzen sind Verfahren, die nach bestimmten Kriterien gewichtete Turniererfolge über einen definierten Zeitraum bewerten, wie z.B. die ATP-Tennis-Weltrangliste oder auch die Rangliste der World Backgammon Federation.

 

 

Volatilität versus Stabilität

Gelegentlich wird Kritik geäußert, die DBGV-Rangliste reagiere nicht schnell genug auf Veränderungen der Spielstärke. Die Teilnehmer der AG können dies nicht nachvollziehen. Beispielsweise haben kurzfristige Erfolgsserien erhebliche Sprünge in der Rangliste zur Folge gehabt, z.B. in diesem Jahr bei Werner Frey und Heribert Lindner. Bei Spielern mit stabiler Zahl (Experience = Summe der Längen der gewerteten Matches >= 500) sorgt das Verfahren automatisch dafür, dass die Gewichtung älterer Spielergebnisse kontinuierlich abnimmt.

 

 

Erstbewertung

Jeder Spieler beginnt mit einer Anfangszahl von 1500. Dies kann zu erheblichen Ungerechtigkeiten für die Bewertung ihrer Gegner führen: Weltklassespieler, die erstmals bei DBGV-Turnieren antreten, sind damit viel zu schlecht bewertet, ihre Gegner sind somit benachteiligt. Umgekehrt sind Anfänger mit 1500 in der Regel überbewertet und Spieler, die häufig gegen Anfänger antreten, dadurch bevorteilt.
Andere Wertungsverfahren auf Elo-Basis gehen damit unterschiedlich um, z.B.:

  • Matches gegen Spieler ohne Wertungszahl zählen für den Gegner nicht (Weltschachbund)

  • Noch nicht gewertete Spieler steigen mit der Performance ihres ersten Turniers ein. Dies erfordert ein Iterationsverfahren, wenn neue Spieler gegeneinander gespielt haben (Deutscher Schachbund)


Die Teilnehmer sind sich einig, dass Änderungen am bestehenden Verfahren mit möglichst geringem Aufwand erfolgen sollten.
Maik schlägt vor, die Matches für Neueinsteigern erst dann für ihre Gegner zu werten, wenn der Gegner die für die Veröffentlichung der Zahl erforderliche Experience von 200 erreicht hat. Er hat dies testweise implementiert. Bei Veranstaltungen, an denen regelmäßig mehrere Neueinsteiger teilnehmen und auch gegeneinander spielen, führt das dazu, dass es länger dauert, bis diese in der Rangliste erscheinen. Dafür sind die Zahlen aber dann statistisch deutlich signifikanter. 
Eine Alternative wäre, die Gewichtung für die Gegner mit einem Faktor min (500/Experience; 1) zu multiplizieren, so dass Matches gegen Spieler mit Experience unter 500 weniger stark berücksichtigt werden.

 

 

Inaktivität

Auch bei längerer Inaktivität bleiben Wertungszahl und Experience unverändert. Andere Verfahren (z.B. Glicko, eine Weiterentwicklung des Elo-Systems) kennen eine Verfallsfunktion, bei der die Experience bei Inaktivität abnimmt. Analog dazu könnte z.B. nach einem vollen Kalenderjahr ohne Aktivität die Experience auf 400 gesetzt und dann jährlich um weitere 100 bis zur Grenze von 200 gesenkt werden. Ergebnis wäre, dass die Zahlen sich beim Wiedereinstieg nach der Inaktivität zunächst stärker verändern, bis die Experience von 500 wieder erreicht ist.

 

 

Gewertete Veranstaltungen

Superjackpots erfüllen die Kriterien für die Auswertung (insbesondere Matchlänge >= 5; vorherige Ankündigung; normale Bedenkzeit, Startgeld) und können daher in die Rangliste einfließen.
Online-Spiele werden nicht gewertet. Es gibt eine separate ELO-Rangliste bei EBIF.



Weitergehende Analysen

Im Excel-File befinden sich mehr als 30.000 Match-Ergebnisse der letzten Jahre. Damit sind Analysen möglich, z.B. inwieweit die Wertungszahlen die Ergebnisse im zu erwartenden Maße korrekt voraussagen oder ob es für bestimmte Teilmengen der Spieler (nach Region, Alter, Experience, …) statistisch signifikante Abweichungen gibt.

 

 

Die AG Rangliste schlägt vor bei der Erstbewertung den Vorschlag von Maik zu realisieren. Weitere Änderungen sind nicht vorgesehen. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Jürgen Feiler (Sonntag, 29 Dezember 2019 19:53)

    Hallo,
    toll. dass es die AG gibt und das Thema weiter vorangetrieben wird!
    Prima Idee, die generelle Anfangszahl von 1500 mit voller Elo-Bewertung abzuschaffen.
    Evtl. könnte man die genannte Alternative (Faktor) zusätzlich realisieren, also:

    - Matches gegen Spieler mit weniger als 200 Experience-Punkten werden für den Gegner nicht gewertet UND
    - Matches gegen Spieler ab 200 Experience-Punkten fließen mit dem Faktor min(500/Experience-Punkte; 1) ein

    Inaktivität:
    Ich finde diese Regelung zu hart, insbesondere für Spieler mit sehr vielen (mehreren Tausend) Experience-Punkten. Eventuell könnte man ja die Experience-Punkte nach jedem Jahr Inaktivität halbieren und auf einen Wert 100*2^n abrunden, also mit 9444 Punkten und
    1 Jahr Inaktivität 3200 Experience-Punkte (9444/2 = 4722, abzurunden auf 3200)
    2 Jahre Inaktivität 1600 Experience-Punkte
    3 Jahre Inaktivität 800 Experience-Punkte
    4 Jahre Inaktivität 400 Experience-Punkte
    5 Jahre Inaktivität 200 Experience-Punkte
    6 Jahre Inaktivität 100 Experience-Punkte
    danach gleichbleibend


  • #2

    mehrzad jarrah-layegh (Dienstag, 31 Dezember 2019 12:10)

    Ich bin der Meinung , weil ein Backgammon Match in unterschiedliche Match-punkte gespielt wird ist fairer wenn man jeder Match Ergebnis in der Rangliste berücksichtigt.
    Es ist ein große unterschied ob ein Top Spieler_in gegen ein Anfänger in ein 5er Match verliert oder gewinnt als in ein 15 oder 17 punkte Match.
    Ich bin der Meinung ein Top-Spieler -in (Spielern mit mehr Erfahrung) bei ein Niederlage in ein !7er Match soll stärker auf Rangliste bestraft werden als wenn in ein 5 punkte Match verlieren würde.
    Ich habe vor paar Jahre versucht ein Formel zu finden um diese Probleme zu lösen.
    Die Formel habe ich gerade wieder auf meine alte Festplatte gefunden , aber leider habe ich auf diese Seite nicht die Möglichkeit ein Excel Datei hoch zu laden .
    Daher werde ich das per @ an Jürgen weiter leiten.

    Lg & guten Rusch allen
    mehrzad

  • #3

    Jakob Garal (Dienstag, 07 Januar 2020 15:15)

    Ich bin der Meinung, dass diese Verfahren (ELO-System) keine richtige Bewertung sowohl von Spielstärke als auch Rangierung der Spieler entspricht. Zum Glück beim Backgammon braucht man keine künstliche zusätzliche Koeffizienten oder Verfahren verwenden, um die korrekte und Realität entsprechende Spielstärke der Turnierteilnehmer zu finden und darzustellen. Man braucht lediglich die Turnierformen und - Formaten entsprechend anzupassen und Abrechnungssystem für die gewonnene Matche für alle Turnieren festzulegen. Selbstverständlich mit der Anwendung Sensor Bretter "BEZMA" neuer Generation kann man auch gerechtere Turnierregeln in der Betracht ziehen zusammen mit ausbalancierte Abrechnungssystem für ein Spiel und gesamtes Match.