Aus den eigenen Fehlern lernen

[phe] Aus den eigenen Fehlern lernt man bekanntlich am besten. Das gilt nicht nur in all unseren Lebensbereichen, sondern ebenfalls fürs Backgammon-Spielen. Vielfältige Backgammon-Literatur gibt uns die Möglichkeit, Strategien, Taktiken sowie die verschiedenen Phasen des Spiels grundlegend zu verstehen; sie sind meiner Ansicht nach unerlässlich für ein breites Verständnis und guten Einstieg in die Backgammon-Welt. Jeder Backgammon-Spieler weist jedoch unterschiedliche Stärken und Schwächen auf, die im fortgeschrittenen Stadium so individuell und spezifisch sind, dass das reine Studium von Backgammon-Literatur nur noch schwerlich zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Spielstärke führt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt empfiehlt es sich, das eigene Spiel zu studieren und die eigenen Fehler zu analysieren.

 

Mit Software von u.a. GNU Backgammon und eXtreme Gammon lässt sich dies auf relativ einfache Art und Weise bewerkstelligen. In Kombination mit z.B. GridGammon, einem Backgammon-Server, auf dem kostenlos Backgammon gegen Spieler aus aller Welt gespielt werden kann und die Partien der populären Plattform „EBIF Deutschland“ (www.ebif-deutschland.de) ausgetragen werden, können die eigenen Fehler in den online gespielten Matches schnell ausfindig gemacht werden. Dabei ist jedoch zu beachten: Die verschiedenen Analysetools „sagen“ nicht, warum, sondern nur, dass etwas fehlerhaft gespielt wurde und wie schwerwiegend der Fehler war. Entscheidend ist, dass der/die Spieler/in bereits über ein derartiges breites Backgammon-Verständnis besitzt, dass er/sie sich die eigenen Fehler selbst erklären kann. Hilfestellung dazu gibt einerseits die erwähnte Backgammon-Literatur sowie im besseren Fall ein Ansprechpartner oder Mentor, der bereits ein tiefergehendes Backgammon-Verständnis besitzt.

 

Die Analyse von Live-Matches, wie z.B. auch aktuell bei der Live-Qualifikation für die Nationalmannschaft gefordert, ist gegenüber den automatisierten Auswertungen von Online-Partien weitaus aufwendiger. Bislang müssen die einzelnen Züge der live gespielten Partien manuell in die Backgammonsoftware eingegeben werden; der damit verbundene Zeitaufwand ist offensichtlich. Aber die Mühe lohnt sich: Bei der Eingabe der Partie in das Programm, das sogenannte „Transkribieren“, kann der/die Spieler/in jeden gespielten Zug zum zweiten Mal in Ruhe nachvollziehen und die in der Partie vollzogenen Gedankengänge überprüfen: Habe ich bei diesem Zug die richtigen Schlüsse gezogen? Welche entscheidenden Überlegungen habe ich bei diesem Fehler nicht einbezogen?

 

Meiner Erfahrung nach unterscheidet sich beim Backgammon die Online- von der Live-Performance in vielerlei Hinsicht (Fehlertypen, Situationsdruck, Psychologie) u.U. stark. Dieser Punkt sollte nicht unterschätzt werden und gibt Anlass, auch die eigenen Live-Partien aufzuzeichnen und mit entsprechender Software zu analysieren. Durch Veränderungen der gespielten Positionen in der Analysesoftware (z.B. Positionen der Checker und des Dopplerwürfels, Matchstand) lässt sich ein detaillierteres Backgammon-Verständnis erzielen, das insbesondere bei wiederkehrenden Stellungen (Referenzpositionen) in der nächsten Partie erneut abgerufen werden kann. Analysierte Fehler können wiederholt und katalogisiert werden, um die eigenen Schwachstellen im Spiel auszubügeln.

 

Hier als Beispiel eine Annahme/Passen-Entscheidung für Schwarz, bei welcher die Stellung – um noch zusätzliche Erkenntnisse zu erlangen – im ersten Fall hinsichtlich der gegnerischen Checker-Position und im zweiten Fall hinsichtlich des Matchstandes geändert wurde:

Wem die Muße und/oder die Zeit für die Analyse der Live-Matches fehlt, kann sich gerne an den Autor dieses Textes wenden, der gegen Entgelt Matches transkribiert und auf Wunsch auch die Fehler detailliert analysiert (E-Mail: backgammon@freenet.de). Philipp Heyng trainiert auch Backgammon-Einsteiger.