Chouette

Chouette ist eine Backgammon-Variante des Unlimitierten Spiels – in den weiteren Erläuterungen bekannter als „Money Game“ bezeichnet –, welche es erlaubt, dass mehr als zwei Spieler gegeneinander spielen. Grundsätzlich wird nach den Regeln des Money Game gespielt. Zu Beginn wird ausgewürfelt, welcher Spieler als „Bank“ oder „Box“ allein gegen alle anderen Spieler (Mannschaft) spielt, wer innerhalb der Mannschaft als Kapitän spielt und wie die Reihenfolge sein wird, in welcher die weiteren Spieler in den folgenden Spielen Kapitän sein werden.

Position der Bank

Wenn die Bank gegen den ersten Kapitän gewinnt, bleibt derselbe Spieler in der Bank und der in der Reihenfolge nächste Kapitän übernimmt in der Mannschaft, während der alte Kapitän als letzter Spieler der Mannschaft als Kapitän an der Reihe ist. Wenn der erste Kapitän gewinnt, spielt er nach vorherrschender Regel im nächsten Spiel als Bank gegen alle Spieler, für welche der in der Reihenfolge nächste Spieler als neuer Kapitän übernimmt.

 

Derjenige Spieler, welcher soeben die Bank verloren hat, wechselt in die Mannschaft und ist dort als letzter Spieler der Mannschaft als Kapitän an der Reihe (siehe hierzu auch Beispiel 1 und Beispiel 2, unten unter „Grundregel Doppeln“).

 

Im englischsprachigen Raum wird dagegen häufig die sogenannte „last man standing“ Regel gespielt, nach welcher es für die Bestimmung des nächsten Bank-Spielers nicht auf die Person des ersten Kapitäns ankommt, sondern auf das Ergebnis des letzten Spielers der Mannschaft, der gegen die Bank als übernehmender Kapitän gespielt hat (siehe hierzu auch Beispiel 3, unten unter „Grundregel Doppeln“).

Grundregeln Beratung

Grundsätzlich dürfen die am Spiel noch Beteiligten, d.h. die nicht durch ein Pass ausgeschiedenen Spieler der Mannschaft, die Spielzüge untereinander beraten. Wenn keine Einigung über einen Spielzug erzielt werden kann, entscheidet der Kapitän.

Sonderregel Beratung

Es kann vereinbart werden, dass nur derjenige Spieler den Kapitän beraten darf, für den bereits erstmalig gedoppelt wurde (Siehe hierzu unten „Grundregel Doppeln“). Ein Spieler, für welchen der Doppler noch in der Mitte liegt, darf demnach nicht beraten, auch wenn andere Spieler der Mannschaft bereits gedoppelt haben. Umgekehrt ist es nicht Voraussetzung, dass der Kapitän bereits gedoppelt haben muss, um von einem Spieler beraten zu werden, der bereits gedoppelt hat.

 

Es kann auch vereinbart werden, dass Beratung gänzlich ausgeschlossen ist.

Grundregeln Doppeln

Dopplerentscheidungen trifft jeder Spieler der Mannschaft individuell. Oft ist es daher sinnvoll, dass der Kapitän nicht zu früh würfelt, nachdem die Bank ihren Zug beendet hat, um den Mitspielern die Möglichkeit zu geben, zu doppeln, auch wenn der Kapitän für sich bereits entschieden hat, nicht zu doppeln. Wer erwägt zu doppeln, sollte gegebenen Falls den Kapitän bitten, mit dem Wurf zu warten. Sobald der Kapitän geworfen hat, ist es nicht mehr möglich, zu doppeln. 

 

Beispiel 1:

Wenn der Kapitän in einer 5-Personen-Chouette alleine auf 2 doppelt und die Bank passt, gewinnt er vorzeitig das Spiel und nach vorherrschender Praxis damit auch die Bank für das nächste Spiel. Bereits jetzt steht damit fest, dass der jetzige Bank Spieler im nächsten Spiel als letzter in der Reihenfolge in die Mannschaft wechselt. Das Spiel ist aber noch nicht beendet, da die Bank das Spiel gegen den verbleibenden Rest der Mannschaft, welcher nicht gedoppelt hat, noch weiterspielen muss. Für die Mannschaft übernimmt der nächste Kapitän, welcher als „Übernehmer“ auch im nächsten Spiel noch Kapitän sein wird, gleich ob dieses Spiel, in welchem er übernommen hat, gewonnen oder verloren wird. Der ausgeschiedene erste Kapitän gehört für den Rest des Spieles nicht mehr zur Mannschaft und darf daher auch nicht mehr zu Rate gezogen werden. 

 

Beispiel 2:

Wenn ein Spieler der Mannschaft (nicht Kapitän) alleine doppelt und die Bank passt, gewinnt der Spieler den nicht gedoppelten Einsatz und scheidet aus der Mannschaft aus. Im nächsten Spiel bleibt der Spieler in der Mannschaft und rückt in der Reihenfolge eine Position auf. Das Passen durch die Bank hat keinen Einfluss auf den Besitz der Bank im nächsten Spiel. Entscheidend ist nur, ob die Bank gegen den ersten Kapitän gewinnt oder verliert.

 

Beispiel 3:

Sollte die „last man standing“-Regel vereinbart worden sein, könnte folgendes passieren: Der erste Kapitän doppelt alleine und der Bank Spieler lehnt ab. Der Kapitän hat einen Punkt gewonnen und scheidet aus dem weiteren Spiel aus. Der in der Reihenfolge nächste Spieler übernimmt die Position des Kapitäns und spielt das Spiel zu Ende. Je nachdem, wer gewinnt, wird entweder der Bank Spieler oder der übernehmende (letzte) Kapitän im nächsten Spiel als Bank spielen.

Sonderregel Doppeln

Üblicher Weise wird vereinbart, dass die Bank Initialdoppel (Doppel auf 2) und Redoppel (Doppel auf 4 oder höher) unterschiedlich behandeln darf, mehrere Doppler derselben Kategorie innerhalb eines Spielzuges allerdings gleich zu behandeln hat. Die Spieler der Mannschaft bleiben in ihren Doppler Entscheidungen grundsätzlich ungebunden.

 

Beispiel 4:

In einer 5-Personen-Chouette wurde noch nicht gedoppelt. Ein Initialdoppel kann die Bank nur allen 4 Spielern der Mannschaft geben. Genauso kann die Bank nur allen 4 Spielern redoppeln, wenn diese zuvor gedoppelt hatten, unabhängig davon, ob die 4 Spieler im selben oder in unterschiedlichen Spielzügen gedoppelt hatten. Erhält die Bank ein Initialdoppel von mehreren Spielern, kann sie gleichfalls nur einheitlich die Doppler aller Spieler annehmen oder ablehnen.

 

Beispiel 5:

In einer 5-Personen-Chouette hatten 2 Spieler bereits gedoppelt. Die Bank kann nunmehr den beiden Spielern, welche noch nicht gedoppelt haben, ein Initialdoppel auf 2 anbieten und gleichzeitig die Doppler der beiden Spieler, welche bereits gedoppelt haben, behalten, d.h. die Bank muss diesen Spielern nicht gleichzeitig auf 4 redoppeln.

 

Im vorhergehenden Beispiel hat die Bank schließlich auch den Spielern, welche zuerst gedoppelt hatten, ein Redoppel auf 4 gegeben. Das Spiel wendet sich erneut und alle Spieler doppeln zurück, d.h. 2 Spieler redoppeln auf 4 und 2 Spieler redoppeln auf 8. Da es sich um Redoppel handelt, sind diese gleich zu behandeln, d.h. die Bank kann nur alle Doppler annehmen oder ablehnen. Genauso kann die Bank später nur allen Spielern auf 8 und 16 gleichzeitig redoppeln, sollte das Blatt sich noch einmal wenden.

 

Vorstehendes gilt natürlich nur für Dopplerentscheidungen im selben Spielzug. Die Bank muss etwa ein Initialdoppel eines Nachzüglers nicht annehmen, bloß weil sie einen Zug zuvor die Initialdoppel der anderen Spieler angenommen hat. Umgekehrt gilt das gleiche.

Notation

Da mehr als zwei Spieler teilnehmen, muss der Gewinn oder Verlust für jeden Spieler gesondert Partie für Partie notiert werden. Dabei wird am Ende jeden Spiels der individuelle Punktestand für jeden Spieler der Mannschaft durch Hinzurechnung des aktuellen Gewinns bzw. Abziehens des Verlustes vom letzten Punktestand notiert. Aufgeschrieben wird auch hier nur der Gesamtpunktestand jeden Spielers, welcher positiv oder negativ ausfallen kann. Der Gewinn oder Verlust, welcher für den Bank-Spieler zu notieren ist, ergibt sich aus der Summe der Ergebnisse der einzelnen Spieler der Mannschaft. Zur Kontrolle, empfiehlt sich, die Quersumme für jede Zeile zu überprüfen; sie muss immer „0“ betragen. 

 

Beispiel: 1:

Die Bank C gewinnt Gammon gegen 3 Spieler (A, D und E) bei Würfel auf 2 (je 4 Punkte x 3= 12). A, D und E verlieren jeweils 4 Punkte, 1 Spieler B hatte den Initialdoppler gepasst und verliert 1 Punkt an die Bank. Insgesamt gewinnt C somit 13 Punkte, die anderen Spieler verlieren zusammen 13 Punkte.

 

Beispiel 2:

Die Bank C hat am Anfang gegen Spieler B (Kapitän), welcher als einziger ge-doppelt hatte, gepasst. Spieler D übernimmt als Kapitän und spielt weiter ge-gen C, dem es gelingt, das Spiel zu drehen und auf 2 zu doppeln. A lehnt ab D und E nehmen an. D redoppelt auf 4, C nimmt an und verliert gegen D und E einfach:

C verliert gegen B 1 Punkt, gewinnt gegen A 1 Punkt, verliert gegen D 4 Punkte und gegen E 2 Punkte, insgesamt verliert C 6 Punkte. 

Die Notation der beiden Beispiel-Spiele sieht wie folgt aus:

B hat im Beispiel 2 die Bank von C gewonnen. Im nächsten Spiel ist B die Bank und D spielt als Kapitän für die Mannschaft. C wird der Letzte in der Reihenfolge der Kapitäne.

 

Nach der „last man standing“-Regel wird B im Beispiel 2 nach seinem Ausscheiden trotz Gewinnens bereits während des Spiels letzter der Reihenfolge der Kapitäne. Sodann gewinnt D von C die Bank. Kapitän wird der in der Reihenfolge nächste Spieler. C wird jetzt nach B der Letzte in der Reihenfolge der Kapitäne.

 

Anmerkung zum Schluss: 

Chouette ist eine sehr unterhaltsame Spielform des Backgammon, da sich die Mannschaft untereinander gegen die Bank beraten darf. Weniger routinierte Spieler können durch ihre Mitspieler bei der Beratung nicht nur viel Spaß haben, sondern auch viel lernen. Wie oben bereits angemerkt, gibt es unterschiedliche Varianten, wie z. B. ab wann sich die Mannschaft beraten darf, wie der Dopplerwürfel  gehandhabt wird und wer Kapitän wird. Vor Beginn einer Chouette mit fremden Spielern empfiehlt es sich daher, zu klären, nach welcher Variante gespielt wird.  In Deutschland wird häufig nach den oben beschriebenen Regeln gespielt.